Auszug aus: wikipedia.org
Neue Indikationen
In klinischen Studien zeigte Thalidomid aufgrund seiner antiinflammatorischen (entzündungshemmenden), antineoplastischen (Tumorhemmenden) und antiangiogenetischen (Verminderung von Gefäßneubildung) Wirksamkeit therapeutische Effekte bei verschiedenen Krankheiten, unter anderem bei Hauterkrankungen (Erythema nodosum leprosum, Lupus erythematodes), dem multiplen Myelom sowie Autoimmunerkrankungen. Bei korrekter Anwendung kann Thalidomid eine hilfreiche Therapie für Patienten sein, für deren Krankheiten keine adäquate Behandlung existiert.
Lepra
Im Jahre 1964 fand der israelische Hautarzt Jacob Sheskin, der einer Lepra-Patientin Contergan aus Restbeständen verabreichte, dass sich ihre Geschwüre am nächsten Tag deutlich zurückgebildet hatten.[20] Bedingt durch diese Entdeckung, wurde Thalidomid für diese Indikation getestet, vor allem in südamerikanischen Ländern wie Kolumbien und Brasilien. Unglücklicherweise kam es dabei auch zu erneuten Fehlbildungen bei Neugeborenen. Da die Rate der Analphabeten in Brasilien extrem hoch ist, missverstanden viele Frauen das Etikett mit einer durchgestrichenen schwangeren Frau auf der Verpackung als Antibabypille. Dadurch kam es in Brasilien zu einer neuen Generation schwer fehlgebildeter Kinder. Infolgedessen verbot Brasilien die Herausgabe von Thalidomid an Menschen im fortpflanzungsfähigen Alter. In Brasilien gibt es insgesamt 480 anerkannte Schadensfälle durch Contergan.
1998 beschied in den USA die Food and Drug Administration einen Zulassungsantrag positiv für ein Thalidomid-haltiges Arzneimittel zur Behandlung des Erythema Nodosum Leprosum (ENL), einer besonders schweren Verlaufsform der Lepra. Der Zulassungsinhaber Celgene hat für strenge therapiebegleitende Sicherheitsvorkehrungen zu sorgen. Ein Patient, der daran teilnimmt, muss starke Auflagen akzeptieren und einhalten.
Multiples Myelom
Inzwischen wurde die Indikation erweitert um die Behandlung des Multiplen Myeloms. Auch wenn Thalidomid von der EMEA bisher nicht zugelassen ist, wurde das Arzneimittel in den Jahren 2000 und 2001 als sog. Arzneimittel für seltene Leiden ausgewiesen und in das entsprechende EU-Gemeinschaftsregister eingetragen („orphan drug status“).
Myelodysplastisches Syndrom
Eine neue Therapie zur Behandlung des myelodysplastischen Syndrom, deren Wirkmechanismus noch nicht bekannt ist, stellt die Gabe von Thalidomid dar, die in multizentrischen Studien geprüft wird. Diese Substanz entfaltet ihre Wirkung möglicherweise in erster Linie über Hemmung des Tumornekrosefaktor (TNF-α) und Stimulation von zytotoxischen T-Zellen. Vorläufige Daten zeigen, dass Thalidomid bei vielen Patienten zu einer Verbesserung der peripheren Blutzellwerte führen kann. Einige Patienten erreichen eine komplette Normalisierung des Blutbilds.
Quelle: wikipedia.org
Fehlbildungsplan bei Thalidomid-Einwirkung
frei nach Widukind Lenz
Wird Thalidomid während einer Schwangerschaft ... Tage nach der letzten Regel eingenommen, kommt es zu folgenden Fehlbildungen des Fötus:
34.-37. Tag: Augenmuskel- und Hirnnervenlähmung
34.-39. Tag: völliges Fehlen der Ohrmuschel (Anotie)
35.-43. Tag: fehlende Organanlage (Agenesie) des Daumens
35.-43. Tag: grauer Star
36.-45. Tag: Fehlbildung (Dysplasie) des Herzens und der großen Gefäße
38.-43. Tag: Fehlbildung der Niere
38.-44. Tag: völliges Fehlen der Arme (Amelie)
38.-47. Tag: Hände sitzen an der Schulter (Phokomelie der Arme)
38.-48. Tag: Fehlbildung der Hüftgelenke
39.-44. Tag: Innen- und Mittelohrfehlbildungen
39.-46. Tag: Fehlbildung der Ober- und Unterarmknochen (Elekromelie)
40.-46. Tag: Zwölffingerdarmverschluß
40.-46. Tag: unvollkommene Bildung des Oberarmbeines
40.-48. Tag: Füße sitzen am Becken
40.-48. Tag: unvollkommene Bildung des Daumens
40.-48. Tag: Fehlbildung der Verdauungsorgane
41.-44. Tag: Zwölffingerdarmverengung
41.-44. Tag: Verschluß des Afters
41.-44. Tag: Fehlbildung des Atmungsapparates
41.-46. Tag: völliges Fehlen der Beine (Amelie)
41.-47. Tag: unvollkommene Bildung (Aplasie) des Zeigefingers
41.-49. Tag: unvollkommene Bildung der Speiche
41.-50. Tag: Verdoppelung der Großzehe
41.-44. Tag: fehlende Organanlage der Gallenblase
42.-45. Tag: Fehlbildung der Genitalien
42.-50. Tag: unvollkommene Bildung des Schienbeins
43.-46. Tag: Leistenbruch
43.-52. Tag: unvollkommene Bildung des Oberschenkelknochens
44.-48. Tag: Fehlbildung des Ober- und Unterschenkelknochens
45.-51. Tag: Dreigliedrigkeit (Triphalangie) des Daumens
Quelle: tierversuchsgegner.org Derzeit ist diese Quelle leider nicht erreichbar
2. Quelle: Conterganverband Karlsruhe